Multiplikatoren werden für die Präventionsarbeit gegen kriegsbedingte häusliche Gewalt ausgebildet

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Im Rahmen unser Schulungsreihe: „Von der Rehabilitierung hin zu Bildung und Praxis der Prävention und Reduktion von häuslicher Gewalt als Kriegsfolge durch die Aktivierung von Männern“ fand das erste Modul zur Ausbildung der Multiplikatoren statt.

Programme zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen und Kinder gibt es in der Ukraine bereits, doch zum ersten Mal werden nicht Frauen, die am häufigsten zu Opfern von häuslicher Gewalt werden, sondern Männer zu Teilnehmern eines solchen Programms. Das sind engagierte Männer, die bereit sind, auf Augenhöhe ihre persönliche Erfahrung und die Erfahrung der Gesellschaft zu analysieren, mit anderen Männern Teams und Initiativen zu bilden, um auf das Problem der häuslichen Gewalt als Kriegsfolge, zu reagieren, um den negativen Folgen dieses stark zunehmenden Problems vorzubeugen.

Infolge des Konflikts im Osten der Ukraine ist in der Gesellschaft wachsende Aggression und Gewalt zu verzeichnen, zu deren Opfern häufig Frauen und Kinder werden. Auf Grund der langen Dauer der Kriegshandlungen wächst auch die Zahl der Männer mit Kriegserfahrung. Auch momentan absolvieren Tausende von Männern ihren Vertragsdienst in der ukrainischen Armee, nehmen weiterhin an dem militärischen Konflikt teil und tragen oft traumatische Erfahrungen davon, deren Folgen sich häufig auch nach der Heimkehr auf ihr Leben und ihre Umgebung auswirken – das Kriegstrauma beeinflusst das Verhalten der Männer in ihren Familien.

Die Schulungsreihe „Von Rehabilitierung zur Bildung und Praxis der Bekämpfung der kritischen Zunahme häuslicher Gewalt als Folge des militärischen Konflikts in der Ostukraine“ besteht aus vier aufeinanderfolgenden Trainings und ist auf die Arbeit mit Männern gerichtet, die als Kriegsteilnehmer im ostukrainischen Konflikt waren und/oder Binnenvertriebene sind, also an Angehörige jener Teile der Gesellschaft, deren Leben von den Kriegshandlungen im Osten der Ukraine direkt betroffen wurden.

An dem Programm sind 18 zivilgesellschaftliche Aktivisten beteiligt, die sich früher niemals mit dem Thema häusliche Gewalt beschäftigt haben. Nach Absolvierung des Bildungprogramms werden sie zu Multiplikatoren, die in ihrem Wohnort eigene Projekte zu diesem Thema realisieren werden. Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Regionen und Gebieten der Ukraine. Darunter waren Männer aus dem Donbass, von den ukrainisch kontrollierten Territorien der Ostukraine, aus den südlichen Gebieten, aus der Hauptstadt, aus dem Gebiet Lwiw, aus der Zentralukraine und den nördlichen Gebieten des Landes.

Die Trainerinnen des ersten Teils des Bildungsprogramms waren Inna Airapetyan, Rehabilitologin aus dem Nordkaukasus, und EMAP-Trainerin Dschanetta Achilgova.

EMAP ist ein Programm, das folgende Themen behandelt: Ursachen für Gewalt und Faktoren, die sie begünstigen, Status und Macht, Zusammenwirken und gegenseitige Abhängigkeit von Täter und Opfer, die Wirkung der Gewalt auf die Gesellschaft als Ganzes, sowie praktische EMAP-Instrumente für die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Die ersten zwei Tage arbeiteten die Trainerinnen mit den Teilnehmern an der Methode „Rehabilitation durch eigene Erfahrung“. Durch den Komplex der ART-Methoden arbeiteten die Männer mit ihren Gefühlen und Erlebnissen und erzählten ihre persönlichen Geschichten. „Der vertrauliche Raum, der während des Trainings geschaffen wurde, ermöglichte es den Teilnehmern, tiefgehend mit den eigenen Gefühlen zu arbeiten, mehr über sich zu erfahren, es zu lernen, sich auszusprechen und einander zuzuhören, mehr über die eigenen Bedürfnisse, Ängste und Ressourcen zu erfahren“, sagte die Trainerin.

Dschanetta Achilgova arbeitete mit den Teilnehmern vier Tage lang an dem Thema Geschlechterrollen in der Gesellschaft, zu den von der Gesellschaft geprägten „Bildern des perfekten Mannes“ und erörterte mit ihnen die Folgen, die diese aufgezwungenen Bilder auf das Leben der Männer haben. Die Entstehung von „Boxen mit Erwartungen und Stereotypen“, denen die Männer genügen sollen, blieb den Teilnehmern besonders in Erinnerung. Jegliches Verlasen dieser Box wird von der Gesellschaft als etwas Unzulässiges verurteilt. Die Teilnehmer konnten erkennen, dass Stereotype einen realen Einfluss auf unser Leben haben und uns am Leben hindern.

Die Teilnehmer des ersten Moduls stellten fest, dass die Schulung ihnen neues Wissen eröffnete und den Wunsch weckte, dieses Wissen in der Praxis bei der Bekämpfung von konfliktbedingter häuslicher Gewalt anzuwenden. Auch zeigten sie sich beeindruckt vom Professionalismus der Trainerinnen und von ihren Fähigkeiten, Gruppen zusammenzuführen und Wissen zugänglich zu vermitteln.

Die nächste Stufe des Programms werden Trainings zu folgenden Themen sein: Steigern des Trainer-Potentials, Organisation und Durchführung von Informationskampagnen zur Prävention von konfliktbedingter häuslicher Gewalt, Vorbereitung und Durchführung von Präsentationen über die eigenen Projekte. Ferner sollten die Teilnehmer darin geschult werden, eigene Trainings zur Einbeziehung von Männern in verantwortungsvolle Praktiken der Bekämpfung der häuslichen Gewalt durch gewaltfreie Kommunikation und andere effektive Methoden durchzuführen, Informationskampagnen zur Bekämpfung der konfliktbedingten häuslichen Gewalt zu organisieren und durchzuführen.

Die Gesamtkonzeption der Schulung wurde in Eigenarbeit der Projektpartner entwickelt und basiert sich auf der Erfahrungen und Expertise von Spezialisten aus Postkonfliktregionen, unter anderem dem russischen Nordkaukasus.